F. Scott Fitzgerald – The Great Gatsby

Bewertung 

»Und ich mag große Partys. Sie sind so intim. Auf kleinen Partys ist man nie unter sich.«

»Eine neue Welt, materiell, aber nicht real, voller armseliger Geister, die ziellos umherdrifteten, während sie Träume schöpften wie Atem…«

Spoilerfreie Rezension

Auch wenn ihr auf dem Bild eine wunderschöne englische Ausgabe seht, muss ich gestehen, dass ich leider “nur” das deutsche eBook gelesen habe. Shame on me, aber ich wollte die wunderschöne Sprache genießen können, ohne die Hälfte der Wörter nachschlagen zu müssen.

F. Scott Fitzgerald erzählt in “Der Große Gatsby” (1925) die Geschichte von Jay Gatsby, der die Liebe seines Lebens, Daisy,  während des Krieges aus den Augen und an einen anderen Mann verloren hatte. Er ist in New York für seine ausschweifenden Partys bekannt, außerdem ranken sich diverse Legenden um seine mysteriöse Person und um seinen Reichtum. Nach Jahren treffen sie über Umwege wieder aufeinander, woraus sich einige Spannungen unter anderem mit Daisys Ehemann Tom ergeben, der unter anderem auch eine Affäre hat. Das ganze führt zu einigen ungünstigen Ereignissen, die ich aus Spoilergründen lieber für mich behalte.

Insgesamt hatte ich an den großen Gatsby große Erwartungen und war leider fast ein bisschen enttäuscht. Ich stellte mir ein wundervolles Porträt der 20er Jahre mit all ihren Oberflächlichkeiten vor. Sprachlich ist das auch wirklich gelungen, die prätentiöse Gesellschaft wurde wundervoll beschrieben.

Jedoch hatte die Sache für mich einen Haken. Erzählt wird die ganze Geschichte von Nick Carraway, Daisys Cousin. Er stammt nicht aus der High Society und arbeitet hart für sein Geld. Dementsprechend moralisiert er häufig das arrogante Gehabe der Reichen und Schönen. Dabei habe ich mich als Leser bevormundet gefühlt. Mir hätte es besser gefallen, wenn der Autor uns eine neutrale, vielleicht gar überzeugend positive Schilderung der “Golden 20ies” präsentiert hätte und dem Leser vertraut hätte, selbst hinter die schillernde Fassade blicken zu können.

Ich muss auch sagen, dass ich Gatsbys Verhalten teilweise etwas unheimlich fand, in etwa so befremdlich wie Edward Cullen oder Christian Grey. Seine Zuneigung zu Daisy wirkte nicht echt, sondern besessen. Aber ich vermute mal, das war Mr. Fitzgeralds Plan.

Allerdings habe ich beim Lesen Baz Luhrmans wahnsinnig tolle Verfilmung schätzen gelernt. Die Bilder gingen mir beim Lesen nicht aus dem Kopf und Mr. DiCaprio hat definitiv auch einen Wahnsinnsjob geleistet.

Diskussion (Achtung, Spoiler)

Wie schon erwähnt empfand ich Nicks Erzählweise oft als moralisierend und bevormundend. Am deutlichsten zeigt sich das meines Erachtens in dem Moment, als er begreift, dass niemand zu Gatsbys Beerdigung kommen wird und er nahezu jeden Bekannten anruft, um irgendjemanden finden, der kommen will. Das Ganze war für mich irgendwie zu obvious, Nick wirkte permanent wie ein hineingequetschter Sympathieträger, was ihn ironischerweise wahnsinnig unsympathisch gemacht hat. Auch als er zu Wolfsheim geht und ihn damit konfrontiert, wie er es findet, dass er nicht zu Gatsbys Beerdigung kommt, fand ich ziemlich unnötig.

Einfach alles so im Raum stehen zu lassen wie es ist und auf die Intelligenz des Lesers zu vertrauen hätte dem Werk stilmäßig besser getan. So hatte ich ständig das Gefühl der Autor jagt mich mit Wegweisern in die Richtung, die er für richtig hält, unabhängig davon ob ich diese vielleicht auch so eingeschlagen hätte.

Mehr gibt es zur Diskussion auch meiner Meinung nach nicht beizutragen. Ich werde mir hier keinen Arm ausreißen um das Buch zu interpretieren. Die zeitlichen Bezüge sind denke ich jedem weitgehend bekannt und ich bin ehrlich gesagt kein Fan davon das Leben des Autors in die eigene Deutung mit reinzuziehen.

Falls ihr den Großen Gatsby auch gelesen habt, lasst mich eure Meinung wissen!

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