Markus Zusak – Die Bücherdiebin


 Die Bücherdiebin Markus Zusak cbj | 2014 | 351 Seiten
ISBN: 3570158020 | 9,99€


Worum geht’s?

Die Geschichte folgt Liesel Meminger im Alter von 9-14 Jahren durch die Nazi-Zeit und den zweiten Weltkrieg. Sie kommt nach dem Tod ihres Bruders mit 9 Jahren zu Pflegeeltern, da ihre alleinerziehende Mutter sich nicht mehr genug um sie kümmern kann. Sie hat es schwer in der Schule, lernt jedoch langsam mit ihrem Pflegevater Hans Hubermann lesen und entdeckt ihre Liebe zu Büchern. Die Familie hat wenig Geld, daher fängt sie an hin und wieder Bücher zu stehlen. Eines nachts steht Max Vadenburg, der jüdische Sohn eines Freundes von Hans Hubermann, in der Küche der Hubermanns, um einen Gefallen einzufordern. So gut es geht kümmert sich die Familie um den Juden und versteckt ihn im Keller des Hauses.

Spoilerfreie Rezension

Ich hatte relativ große Erwartungen an dieses Buch. Ein Ø 4.36 auf Goodreads ist ja eine Traumbewertung, nahezu jeder in meiner Goodreads-Freundesliste hat diesem Buch 5 Sterne gegeben. Viele bezeichnen es als “lebensverändernd”, alle scheinen es zu lieben. Nur ich nicht.

Eine Besonderheit des Buches ist der Erzähler. Und genau das ist auch mein erster Kritikpunkt. Die Geschichte wird erzählt vom personifizierten Tod, der jedoch laut eigener Aussage weder Sense noch Kapuzenumhang trägt. Das ist zunächst eine interessante Prämisse, jedoch empfinde ich die Ausführung als mangelhaft. Gleich am Anfang erklärt der Tod, er habe die Bücherdiebin nur drei Mal getroffen – dennoch verhält er sich die meiste Zeit wie ein auktorialer Erzähler. Da stellt sich natürlich die Frage: wie kann das sein? In ca. 90% des Buches merkte man nicht wirklich viel davon, dass der Tod erzählt, was für mich ein Indiz dafür ist, dass man es vermutlich besser hätte lassen sollen. So erschien diese Besonderheit doch nur als unnötiges “Gimmick”, um die Geschichte irgendwie einzigartig zu machen – ging meiner Meinung nach eher nach hinten los.

Noch etwas, was mich sehr gestört hat und vermutlich auch als Gimmick bezeichnet werden könnte sind hin und wieder zentriert und fettgedruckte Einschübe von Listen und zufälligen Fakten über diverse Aspekte der Geschichte. Das hat meinen natürlichen Lesefluss wahnsinnig gestört und erzeugte bei mir wieder den Eindruck, dass Mr. Zusak das Buch dadurch irgendwie “besonders” machen wollte. Hat für mich persönlich auch hier nicht funktioniert.

Nun zum eigentlichen Inhalt. Die Charaktere waren mir einfach zu glattgelutscht. Der Pflegepapa? Supersüß. Der beste Freund Rudi? Supersüß. Die Liesel? Ein bisschen frech, aber trotzdem herzallerliebst. Der Jude im Keller? Superlieb. Ja selbst die schroffe Pflegemutter wurde im Verlauf des Buches immer liebevoller. Es gab überhaupt keine Reibung zwischen den Figuren, keinerlei Spannung oder Konflikt. Es war alles zu perfekt, nicht nur unrealistisch, sondern auch wahnsinnig langweilig.

Der Plot war sehr anekdotenhaft erzählt, was ich okay fand, jedoch halte ich ihn insgesamt für extrem kitschig. Diese ewige “Wir-verstecken-einen-Juden”-Heldengeschichte finde ich mittlerweile wirklich abgenutzt und sehr stereotyp. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Mr. Zusak den Holocaust einfach nur instrumentalisiert hat, um ein Drama zu kreieren, was mal wieder so richtig auf die Tränendrüse drückt. Womit ginge das auch besser als mit einem so furchtbaren Ereignis?

Insgesamt gab es jedoch auch Passagen, in denen ich das Lesen genossen habe. Es war nicht komplett furchtbar, aber um ehrlich zu sein war ich am Ende froh, dass es vorbei war. Die fast 600 Seiten empfand ich nicht als gerechtfertigt und ich kann den Hype nicht so richtig nachvollziehen. Da ich das Buch als nicht besonders tiefsinnig empfand, gibt es heute auch keine Diskussion dazu. Ich denke wir sind uns alle einig, dass sowohl der Holocaust als auch der 2. Weltkrieg furchtbar waren und mehr gibt es dazu denke ich nicht zu sagen.

Wie hat euch das Buch gefallen? Wollt ihr es noch lesen?

2 comments / Add your comment below

  1. Ich finde es immer erfrischend, wenn gehypte Bücher kritisiert werden. Manchmal habe ich den Eindruck, viele schwimmen mit dem Strom und auf der Erfolgswelle mit, ohne sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich kenne das Buch nur vom Hören, habe es noch nicht gelesen. Kann mir aber vorstellen, dass ich genauso enttäuscht gewesen wäre.

    Neri, Leselaunen

    1. Ja, den Eindruck habe ich auch oft. Ich habe dann durch den Hype auch immer sehr hohe Erwartungen und bin dann am Ende noch viel mehr enttäuscht, als wenn ich es einfach so entdeckt und gelesen hätte.

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